Matthijs de Ridder und Anna Eble im Gespräch zu „Besetzte Stadt" und „Kataklump"
- 19:30 Uhr
„Kataklump" ist die Geschichte eines Avantgardisten, der es zu seiner Mission gemacht hat, den Geist des Expressionismus aufrechtzuerhalten und weiterzuentwickeln. Matthijs de Ridder beschreibt sowohl Paul van Ostaijens Wirken als Kunstkritiker und -händler und seine Beziehungen zu vielen modernen Denker*innen und Schaffenden, auf die er in seiner Zeit in Berlin stieß, als auch die Genese der aufsehenerregenden Poesie des Dichters. Das typographische Meisterwerk Besetzte Stadt sowie der lebhaft-expressive Band Die Feste von Angst und Pein, die Paul van Ostaijen zu einem der am nachhaltigsten nachwirkenden Dichter der niederländischsprachigen Lyrik gemacht haben, sind in Berlin entstanden.
Mit „BUMM!", einem Paukenschlag, fiel Antwerpen im Oktober 1914 der Übermacht der deutschen Geschütze zum Opfer. Die Stadt wurde eingenommen und blieb vier Jahre lang besetzt. Der flämische Dichter Paul van Ostaijen verarbeitete diese überwältigende Erfahrung in dem ebenso überwältigenden Gedichtband Besetzte Stadt (1921), dessen Formenreichtum aus einer Welt erwächst, die durch den Krieg tief erschüttert ist. Es ist das umfangreichste literarische Experiment der internationalen Avantgarde und wurde von van Ostaijen mit einer Typographie bedacht, die die Narben der Zeit trägt. Er war davon überzeugt, dass eine Welt, die in Schutt und Asche liegt, nur mittels einer zertrümmerten Sprache beschrieben werden kann. Van Ostaijens Gedichte wurden von Anna Eble ins Deutsche übersetzt.
Im Rahmen der Leipziger Buchmesse sprechen Matthijs de Ridder und Anna Eble über Paul van Ostaijens Lyrik, die sie in den beiden Büchern „Kataklump" und „Besetzte Stadt" aufgearbeitet haben.
Matthijs de Ridder ist Schriftsteller und Literaturkritiker und gab u.a. Bücher zu den flämischen Autoren Louis Paul Boon, Gaston Burssens und Paul van Ostaijen heraus. De Ridder ist schon seit Jahrzehnten vom Leben und Werk von Paul van Ostaijen fasziniert. Anlässlich des hundertjährigen Bestehens von „Bezette stad" veröffentlicht er eine aufregende neue Erkundung von Van Ostaijens Meisterwerk. Seine Biographie über diesen Avantgardisten wurde 2023 herausgebracht.
Anna Eble ist Übersetzerin, Dolmetscherin und Herausgeberin der niederländischen Zeitschrift Terras für internationale Literatur. Sie organisiert Festivals und Workshops in verschiedenen Ländern und forscht zur Poetik des Übersetzens und des Lesens, u.a. im Rahmen des Europäischen Laboratoriums, das sich für ein langsames und schöpferisches Lesen einsetzt.